lokale agenda 21

Ziele: Versuch, globale Zielvorstellungen auf lokale Handlungsfelder mit beispielhaften Maßnahmenvorschlägen zu projezieren; "global denken, lokal handeln".

Maßnahmen/ Definitionen/ Beispiele
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Sustainable Development
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Geschichtliche Entwicklung und Zeitplan
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Inhaltliche Qualität
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Problemdiskussion
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Charakterisierung
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Komplexitätsreduktion
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Mögliche Probleme bei der Umsetzung
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Duale Strategie
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Forderungen für die Regionale Umsetzung
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Bewertungsmöglichkeiten
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Bausteine
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Handlungsbereiche
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Stand der Umsetzung in Kommunen 1996
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Fazit
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Beispiele
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Links zu weiteren Informationen
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Quellen und Literaturangaben

   

   
         
    Maßnahmen/ Definitionen/ Beispiele    
         
    Sustainable Development

"Sustainable Development" (SD) ist die Bezeichnung für eine Entwicklung, in der die Bedürfnisse heutiger Generationen befriedigt werden sollen, ohne die Bedürfnisse kommender Generationen zu gefährden.

   
         
    Geschichtliche Entwicklung und Zeitplan

70er Jahre: Meadows et al. "Grenzen des Wachstums"
1980: Grundstein mit "World Conservation Strategie" von IUCN/UNEP/WWF
1987: Im Brundtlandbericht erlangte das Konzept weltweite Beachtung
Mehrere Vorbereitungstreffen
1992: UNCED-Konferenz in Rio de Janeiro: Einleitung des Sustainable Development-Prozeßes, Verabschiedung von Dokumenten, Abkommen, Grundsatzerklärungen und ein Aktionsprogramm für eine weltweite nachhaltige Entwicklung, die "Agenda 21", Unterzeichnung von 170 Staaten
Beteiligung von 1400 NGOs, Erarbeitung von alternativen "NGO Treaties"
Bekenntnis nationaler und internationaler Institutionen (EU, Weltbank) zur "Agenda 21"
1994: Europäisches Klimabündnis, Charta von Aalborg
1996: Folgekonferenz zu Rio de Janeiro in Berlin: Bestätigung
1997: Konferenz in Kyoto, Japan: Fortsetzung und Berichterstattung
Plan: Bis 1993 Einleitung von Konsultationsprozeß unter den Kommunen und Intensivierung bis 1994, bis 1996 in Kommunalverwaltungen Konsultationsprozeß mit Bürgern und Erzielung eines Konsens

   
         
    Inhaltliche Qualität

Die Stärke von SD liegt im Querschnittscharakter, der ökonomische, ökologische und soziale Aspekte integriert.
Integrative Denkansätze kennzeichnen das Konzept.
Große Chancen liegen in seiner komplexen Problemsicht sowie in seiner hohen Verbindlichkeit.
SD ist ein anthropozentrisches Konzept.

   
         
    Problemdiskussion

1. Ökonomische Dimension: Das Effizienzproblem beschreibt die Notwendigkeit einer möglichst optimalen Nutzung aller Ressourcen (Allokationseffizienz).
2. Ökologische Dimension: Das Kontigierungsproblem beschreibt die Notwendigkeit einer Festlegung von Gesamtobergrenzen des Verbrauchs aller nichterneuerbaren Ressourcen.
3. Soziale Dimension: Das Distributionsproblem umreißt die Notwendigkeit einer relativ ausgeglichenen Verteilung aller Ressourcen, um damit den sozialen und räumlichen Zusammenhalt sicherzustellen (Kohäsion).

   
         
    Charakterisierung

Leitbildcharakter (visionärer Charakter, Hervorrufen hinreichend konkreter Vorstellungen, Orientierung)
Grundrechtscharakter (gesellschaftliches Grundrecht, stellt Lebensqualität in den Mittelpunkt)
Vertragscharakter (umfassender Gesellschaftsvertrag, Verantwortung "for our common nature")
Politische Kompromißformel (Suggestion der Überwindung der Konfliktlinien zwischen Ökonomie und Ökologie im Sinne eines Kompromißes des qualitativen Wachstums)

   
         
    Komplexitätsreduktion

Umsetzung von SD bedeutet mit Hilfe eines überschaubaren räumlichen Rahmens Komplexität zu reduzieren. Damit geht die Hoffnung einher, innerhalb dieses Rahmens ließe sich ein handlungsnotwendiges Spektrum von Effekten, Interdependenzen und Rückkopplungen erfassen.

   
         
    Mögliche Probleme bei der Umsetzung

Probleme liegen in "Handlungsfallen", die sich aus der Komplexität ergeben:
Aussitzen (Überforderung aufgrund komplexer Zusammenhänge verführt Entscheidungsträger häufig zum Nichthandeln)
"Muddling through" (blinder Aktionismus, bloße Ansammlung umweltpolitischer Maßnahmen trägt das Etikett "SD", letztlich aber falsch verstandenes Regions- und Stadtmarketing)
Umdefinition (besonders positiv oder negativ belegte Begriffe bergen Gefahr der Umdefinition, "nachhaltig" wurde zum Modewort für alle entwicklungsorientierten Planaussagen, inflationäre Verwendung)
Unzulässige Begrenzung (bei weitverbreiteter Ökologielastigkeit der Fall, z.B. sind soziale Ressourcen wie Bildung, Partizipation etc. gleichberechtigte Faktoren)

   
         
    Duale Strategie

Transformation zu handhabbarem Instrument:
1. Globales Projekt, auf lange Sicht angelegt, hat Wertewandel zum Inhalt, sinnstiftender Lernprozeß.
2. Ansätze zur kurzfristigen Problembewältigung, Orientierung an Anforderungen des globalen Projekts.

   
         
    Forderungen für die Regionale Umsetzung

Eine Bewertung der Geld- und Materialströme ermöglicht die Festlegung von Kompensationsleistungen oder verweist auf die Notwendigkeit zur Substitution durch innerregionale Kreisläufe und Produkte.
Umstrukturierungs- und Umverteilungsmaßnahmen benötigen nationalstaatliche und supranationale Vorgaben.
Regionale Anstrengungen können Lerneffekte über die Region hinaus haben.
Die Region als Identifikations- und Akteursraum ist übersichtlich, dadurch erleichterte Legitimation und erhöhte gesellschaftliche Kohärenz.
Intensivierte grenzüberschreitende Kooperation benötigt auch ein gewisses Maß an hierarchischer Steuerung.

   
         
    Bewertungsmöglichkeiten

Einsatz von Flußanalysen
Umfassende Meßkonzepte, Bsp. "ecological footprint", Bsp. "Umweltraum"
Beobachtung individueller Käufer- bzw. Produzentenverhaltensweisen
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    Prinzipiell sind die Bewertungsmöglichkeiten sehr schwer und mit hohem Unsicherheitsfaktor verbunden.
In jedem Fall hilfreich wären aber quantifizierbare Kennzahlen für materielle Stoffflüsse - im Idealfall ein "sustainability-Index" als Datenbasis.
Qualitative Aspekte im Sinne von "Lebensqualität" sind schwieriger zu fassen, daher Methodenmix zwischen quantitativen und qualitativen Ansätzen notwendig.
   
         
    Bausteine

Detaillierte Bestandsaufnahme
Festlegung der Ziele und Handlungsmöglichkeiten
Konsensbildung zwischen gesellschaftlichen Gruppen
Ingangsetzung von Umsetzungsprozeß

   
         
    Handlungsbereiche

Organisation der städtischen Umweltverwaltung
Umwelt und Wirtschaft
Energie und Klimaschutz
Natur und Landschaft
Flächeninanspruchnahme und Zuordnung der Nutzungen
Bauen und Wohnen
Verkehr
Abfallwirtschaft
Bodenschutz und Altlasten
Wasser und Abwasser
Natur und Grünbereich
Luftreinhaltung
Lärm
Kommunale UVP
Kommunale Informationssysteme
Beschaffungswesen
Finanzierung
Bürgerbeteiligung und Öffentlichkeitsarbeit
Umwelterziehung und Bildung
Umwelt und Entwicklung

   
         
    Stand der Umsetzung in Kommunen 1996

37 Städte haben Umweltqualitätsziele aufgestellt, 27 haben diese politisch beschlossen, in 41 Städten wird an einer Definition gearbeitet.
53% der Städte sehen die Lokale Agenda als kommunale Aufgabe an, in 17% liegt ein politischer Beschluß vor, in 17% befindet er sich in Vorbereitung.
Für mehr als die Hälfte der Kommunen ist die Lokale Agenda kein politisch relevantes Thema zu dem Zeitpunkt, an dem der Konsensbildungsprozeß schon abgeschlossen sein sollte.
Oft ist die Agenda 21 nur Zusammenfassung von laufenden Aktivitäten.

   
         
    Fazit

Thierstein, Walser 1996: "Die hier entwickelte Strategie von langfristigen Zielvorstellungen und kurzfristigen Maßnahmen ist ein bewährtes Vorgehen, neu ist allenfalls die zeitliche und räumliche Reichweite der Zielvorstellungen. Erforderlich ist eine Kombination aus kohärenten Vorstellungen über die regionale Entwicklung und einem pragmatischen Herangehen."
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    Schubert 1998: "Ob die Städte in der Lage sind, diese Herausforderung zu bewältigen, muß angesichts des schwindenden Handlungsspielraums skeptisch beurteilt werden."
"Nur mit Strategien, die die komplex vernetzten Wechselwirkungen, Rückkopplungs- und Verstärkungseffekte berücksichtigen, kann es gelingen, auf lokaler Ebene globale Herausforderungen anzugehen.
Wichtig ist auf Grundlage von lokalen Problemanalysen Ziele, Handlungsfelder und Diskurse in Gang zu setzen, Hemmnisse zu identifizieren, um Maßnahmen, Akteure und Zeiträume der Umsetzung zu bestimmen."
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    Dütz 1997: "Bisher sind die Ausprägungen der Lokalen Agenda 21 in Deutschland ein bunter Strauß kommunaler Handlungskonzepte, die stark durch kommunale Spezialitäten, dem Engagement einzelner Personen oder Organisationen vor Ort (Bsp. Heidelberg/ifeu-Institut...)geprägt werden."
"Nichtsdestotrotz ist die Agenda 21 ein wichtiger Ansatz, kommunales Handeln umweltorientiert und integriert zu betrachten und an seiner Rückwirkung auf die globalen Probleme, der "Einen Welt", in der wir leben, zu spiegeln."
"Es bleibt zu hoffen, daß das Engagement der umweltbewußten Vorreitergemeinden, welche Umweltvorsorge als Standortvorteil begriffen haben, dazu führt, daß sich die Agenda zu dem angestrebten Instrument klimabewußten kommunalen Handelns entwickelt."
   
         
    Beispiele
  • München: Münchner Agenda 21 (Agenda-Büro, Fachforen, Bürgerforen, gute Grundlage, Konsensbildungsprozeß etabliert)
  • Heidelberg: Nachhaltiges Heidelberg (1994 Charta von Aalborg ratifiziert, im Rahmen des Stadtentwicklungsplanes Heidelberg 2010 intensiv an der Erstellung der Agenda 21 gearbeitet , gezielte Vernetzung bereits laufender und geplanter Aktivitäten, externes Büro mit Koodination und Evaluierung beauftragt, runder Tisch Nachhaltiges Heidelberg, durch German Watch ins Leben gerufen, Klimaschutzkampagne, Verkehrsentwicklungsplan, Stadtentwicklungsplan und Stadtteilrahmenpläne, Demonstrationsvorhaben "Kommunale Naturhaushaltswirtschaft", Foren, Einsicht zu Verwaltungsreform)
  • Osnabrück: Lokale Agenda 21 der Stadt Osnabrück (stark kommunale Entwicklungshilfe)
  • Karlsruhe: Agenda 21 Karlsruhe
  • Hamburg: Kommunale Agenda 21 Hamburg
  • Links zu Kommunen mit einer lokalen Agenda 21: one world web - Organisationen
   
         
    Links zu weiteren Informationen

Original-Dokumente der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung im Juni 1992 in Rio de Janeiro: Agenda 21 in deutscher Übersetzung, @grar.de, Informations- und Internetdienstleistungen Alfons Deitermann

   
         
    Quellen und Literaturangaben
  • Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau (Hrsg.): Lokale Agenda 21, Schriftenreihe Forschung Heft Nr. 499 1996
  • Dütz, Armand: "Lokale Agenda 21" in: DBZ Nr.5 1997
  • Schubert, Dirk: "Leitbild? Utopie?" in: db Nr.6 1998
  • Thierstein, Alain; Walser, Manfred: "Stein der Weisen oder Mogelpackung? – Sustainable Development als Strategie für Regionen" in: DISP Nr.125 1996
  • Wasel, Peter: Vorträge im Rahmen des Seminars Global - Lokal an der Universität Stuttgart im SS 1998